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MÜNCHEN MERKUR


Zu Gast In Munchner Wohnzimmern
January 6, 2009

MÜNCHEN MERKUR: ZU GAST IN MUNCHNER WOHNZIMMERN
JANUARY 6, 2009
Zu Gast in Münchner Wohnzimmern

Wohnzimmer erzählen viel über ihre Besitzer. In unserer Serie besuchen wir deshqlb die unter-schiedlichsten Münchner daheim und lassen uns zeigen, wie sie sich so eingerichtet haben. Heute :Eric Nelson und Filippo Tattoni-Marcozzi aus Bogenhausen.


TXT Von Johannes Löhr

Eine Krawatte? "Trage ich nie", scherzt Filippo Tattoni-Marcozzi. "Höchstens zu Hochzeiten oder Beerdigungen." Dann shaut er seinen Lebensgefährten Eric Nelson an. "Schlieβlich bin ich der Kunsthändler und du der Diplomat." Nelson, korrekt beschlipst, schmunzelt. "Heute ist auch keine nötig." Es steht weider einmal ein Empfang an im Wohnzimmer des Generalkosuls der Vereinigten Staaten von Amerika – wie etwa einmal im. "Normalerweise stehen hier weiβe Couches und eine Chaiselongue", eklärt der Hausherr. Jetzt füllt eine festlich gedeckte Tafel mit 23 Plätzen den Raum.
Finanzminister Fahrenschon (CSU), Graf Arco, das Prinzenpaar zu Hohenlohe und einige andere Gäste haben sich angekündigt. Auf dem Tisch stehen f¨r sie Nymphenburger Porzellan-Skulpturen, entworfen vom amerikanischen Designer Ted Muehling, und Gläser aus altem, "American Pressed Glass". Nelson lacht. "Normalerweise essen wir nicht so zu Abend." Aber der 47-Jährige betont : "Wir wollten nicht bis zum letzten Drücker warten, um uns zu verabschieden."

Am 6. Juli, nach knapp drei Jahren, verlässt Nelson München_ in Richtung Pakistan."Hier ist meine Arbeit sehr öffentlich", sagt der Texaner."dort arbeite ich unter , restricted conditions". Ich werde hauptsächlich in der Verwaltung tätig sein. "Die Vertretung in Islarnabad werde stark ausgebaut."Es gibt viel zu tun." Was trotz Empfang geblieben ist, sind die Kunstwerke "unsere Leidenschaft", betont der Diplomat und überlässt dem Kunsthändler die Erklärungen. Tattoni-Marcozzi ergänzt : "Wir haben unsere Sammlung mit Fotografie begonnen, und deshalb haben wir auch viele Fotos hier. "Herausragend sind die verfremdeten Porträts des Stars-Künstlers David Lachapelle von Marylin Monroe und Liz Taylor an der Rückwand. Dazwischen hängt ein Bild von Antonio Azuga. Rechts im Eck befinden sich Fotografien aus dem späten 19. Jahrhundert- Skulpturen aus dem Vatikan. Daneben, über dem Kamin, ein groβformatiges Foto- witzeigerweise zeigt es einen Kamin. "Francesco Patriarca hat eine ganze Foto-Serie von Feuerstellen in Rom gemacht."

Der 34-jährige Tattoni-Marcozzi stammt aus den Abruzzen, nur acht Kilometer entfernt von l'Aquila, das vor wenigen Wochen von einem verheerenden Erdbeben heimgesucht wurde. "Mein Elternhaus ist wie durch ein Wunder verschont geblieben. Wir haben schon über Jahrhunderte mit Rissen leben müssen, künftig müssen wir eben mit etwas gröβeren leben." Der antike Tisch hinten stammt von dort. Das herausragende Werk im Wohnzimmer (es wird bewacht von einem Holz-Boxer) ist Frank Stellas buntes "Hockenheim", das im Rahmen des Programms FAPE (Foundation for Art and Preservation of Embassies) den Weg an die Isar gefunden hat. FAPE hat die Aufgabe, US-Botschaften und Konsulate mit Werken amerikanischer Künstler aufzuwerten.

Sollte e shier brennen, was wûrden sie versuchen zu retten? Nelson wûrde den Stella 'rausschaffen- "für die Nation", sagt er lachend. Tattoni-Marcozzi wûrde sich die Pudel-Skulptur von Jeff Koons schnappen, die hinten vor dem Liz-Taylor-Foto steht. "Mein Lieblingsstück" Spaβ beiseite : Was passiert mit der Kunst, wenn sie wegziehen? "Der Stella bleibt hier der Rest kommt in ein lager in Belgien", sagt Nelson. "Ich bin fûr ein Jahr in Pakistan, danach sehen wir weiter." Und die beiden? Sie sind seit sechs Jahren ein Paar. "Es wird nicht leichr", sagt der Generalkonsul. "Aber der Terminkalender bestimmt ohnehin unser Leben". Nach Islamabad dürften Angehörige nicht mit. "Ich werde mich in London neiderlassen", sagt Filippo Tattoni-Marcozzi. "München war eine tolle Stadt für uns, aber wir warden das schon schaffen."