PERSÖNLICH
PORTRAIT
Seine Inszenierungen sind leicht durchgeknallt. Der Fotograf David LaChapelle, von Pop Art-idol Andy Warhol entdeckt, setze sich in Europa mit seinen Fotos für Diesel-Jeans durch. Trotz seines Rufs als Amok geniesst er den Manager von R.J.Reynolds and Citibank. LaChapelle läuft abseits jeglicher Konvention - und wird gerade dadurch zur Entdeckung für die Werbung.
"Spreiz deine Beine ein bisschen mehr, bitte", sagt David LaChapelle zu Alan Cummings, der vor einem rosa Hintergrund baumelt, ein Korsett tragt, schwarze Seidenhoschen, Netzstrümpfe and absurd hochhackige Stiefel. Cummingss ist Schauspieler und spielt am Broadway im Stück "Cabaret", zur Zeit aber posiert er in LaChapelles New Yorker Studio für die nächste Ausgabe der Zeitschrift "Interview".
Das winzige Chihuahua -Hündchen der Visagistin Patti Wilson streicht durch die Szene and wird vom blickfekl von LaChapelle. Die Inspiration schlägt zu. Bevor man sagen kann :"Yo quiero Taco Bell". wird der Hund zur Aufnahme hinzugefügt "Bleib hier" befiehlt der Fotograf, als sich das Hündchen trollen will. Ein Assistent packt das Tier und setzt es wieder in die Szene. Das arme Wesen, vom hellen Licht geblendet, will nichts als weg. Nach einigen weiteren Versuchen dreht sich LaChapelle herum und flüstert mit einem bösen Grinsen, so dass es Patti Wilson nicht hören kann: "Warum kleben wir ihn nicht einfach fest?" In der Zwischenzeit hat der Chihuahua, nervös vom ganzen Aufruhr, sein Wasser nicht halten können and einen gelben Fleck auf dem rosa Boden produziert. Zum Schluss ist der Hund an der Leine, der Fleck bleibt und verleiht dem Foto eine zusätzliche besondere Note.
Wider den Zeitgeist
Er ist zwar bestens bekannt für farbenfrohe leicht abstruse Fotos wie dieses. Aber der 35 jährige LaChapelle hat noch mehr Tricks auf Lager. Aufgewachsen in Connecticut und North Carolina, ausgebildet an der New York School of Visual Arts, bekam er seinen ersten Fotoauftrag in den frühen achtziger Jahren, als er von Pop Art Idol Andy Warhol entdeckt wurde ( die beiden trafen sich im "Studio 54", wo LaChapelle Parkwächter war) . Vergessen Sie das Markenzeichen Farbe: Damals arbeitete des Jungtürke fast ausschliesslich in Schwartzarweiss . Und wenn es der Auftrag erfordert, ist er immer noch imstande, ein ganz normales Foto zu schiessen .
Er hat mehr Titelblatter für Conde Nast Traveler geschossen als jeder andere Fotograf. Und trotz seines Rufes als böser Bube geniesst LaChapelle den Respekt des Manager von R.J. Reynolds und Citibank, die ihn für ihre Anzeigen angeheuert haben.
Seine Arbeit für die zweite Welle des späten Joe-Camel-Kampagne war in der Presse stark beachtet, positive wie negative, wie das für Zigarettenwerbung üblich ist. LaChapelle hat keine Skrupel mit der Tabakwerbung im Gegenteil . Wenn man Zigaretten erwähnt, jubelt er "Zigaretten! Ja! Rauchen Sie!" schreit er und köpft herum wie ein texanischer Cheerleader. Wieder auf festem Boden, sagt er: "Ich rauche nicht, aber ich versuche damit anzufangen. Ich hab mir sogar ein Camel-T-Shirt gekauft, um es auf dem Set zu tragen. Ich liebe Joe Camel Zigarettenwerbung ist wider den Zeitgeist - es ist wie ein Krieg, und ich bin froh, auf der Seite der Tabakunternehmen zu stehen".
Und nun dreht er durch "Ich lebe doch nicht in einer faschistischen Gesellschaft. Ich lasse er nicht zu, dass mit 900 pfundige Berger verschlingende Idioten verbieten, eine gottverdammte Zigaretten zu rauche, Die Leute bringen sich mit Bürgern um. Meine Eltern lernten sich beim Tabakpflücken kennen. Dem Tabak verdanke ich mein Leben".
Auch die Tabakleute sind mit LaChapelle ziemlich glücklich . Frau Craighton, Marketing-Vizepräsident für Camel, sagt:" Als wir letztes Jahr die neue Kampagne entwickelten, passte das Konzept, direkt, einfallsreich und schlau zu sein, genau zum Stil von David LaChapelle. Als er zum Beispiel das Foto für "Die Farmerstochter" machte, fügte er das Poulet hinzu, und das fuhrt uns zu jener Passage im Warnungskastchen über tierische Nacktheit" .
Bizarre Detailversessenheit.
"Es gibt nichts, was ich nicht tun wurde " sagt LaChapelle, und nimmt damit Bezug auf seine politisch unkorrekte Soldernatur " ausser vielleicht einen Film über das Shaupfen" Und kein Job ist zu klein. Wirtlich "Ich finde es gerossartig , wenn jemand anruft. Es gibt keinen kleinen Auftrag - man kann immer etwas Grosses daraus machen, und dann bekommt es ein Eigenleben. Und solange ich den Schuh zeige , oder das Bild en Einklang mit der Schlagzeile bringe, habe ich meine Arbeit getan". Seinen Job macht er am besten, wenn er mit seiner bizarren Detailversessenheit Amok laufen kann, die seine Arbeit so unverkennbar macht "Meistens können die Kunden zu mir, weil sie meine Ideen wollen, sie wollen die Details" sagt er "vielen Fotos mangelt es heute an Ideen and Details. Wenn man diese kleinen Dinge hineinstellt , wollen die Leute das. Das macht die Bildet erinnerungswurdig , die kleinen Nuancen".
In LaChapelle neuer Kampagne für Candies gibt es viele Nuancen, und nicht einmal so kleine. Da treten Sanger vor einem bizarren Publikum auf: Brande vor punkigen Achtzigjährigen: Shania Twain von Barbies umgeben: Lil Kim und einige Nonnen mit versteinertem gesiecht: Lissa Loch, die nur ihre Candies und eine Gitarre tragt vor einem nackten Publikum an der "Nudistenmesse". Weniger absurd, aber für die meisten schockierender war die legendäre "VJ-Day". Werbung für Diesel, die zwei sich küssende Seentanner zeigte. Urprunglich war das vierfarbig gedacht und erschieden dann zu riskant , worauf es LaChapelle in Schwarzweiss konvertierte- das Resultat halt er für eine seiner besten Fotos .
Einzigartiger Stil, kitschig aber sexy.
Gibt es einen Unterschied zwischen redaktioneller Arbeit (u.a. für Rolling Stone, Vanity Fair, Defour ) und Werbung? "Die redaktionelle Arbeit ist mein Laboratorium. Da experimentiere ich" erklärt LaChapelle "In der Werbung hat man es mit grossen Unternehmen zu tun, und sie konnten es sich nicht leisten , dass jemand auf ihre Kosten experimentiert" Er gibt aber freimutig zu, dass das Endresultat meistens nicht den Skizzen entspricht, die man ihm anfänglich vorgelegt hatte. Wie auch immer, Beschwerden gibt es kaum einmal. Als Weiss Whitten Stagliano mit der Idee "Boot Licker" für die Bierreklame für Bass zu ihm kam, schlugen sie schwarzes Leder vor. Er aber hatte das Gefühl, das wurde hässlich werden "Ich dachte, as wurde mit orange und blau besser aussehen . Das Blau Vinyl ist hübscher als schwarzes Leder und weniger klischeehaft"
"David hat einen einzigartigen Stil, kitschig, aber sexy" sagt Art Direktor Tiger Savage, die mit LaChapelle an einet Kosmetikkampagne arbeitete, als sie noch für Bartle, Bogle, Hegarty tätig war "Er pflegt seine feminine. Seite sehr. Wahrscheinlich ist er gegenüber einer Frau die zweitbeste Wahl "Dass manche Leute in seiner Arbeit einer Episches und Grosses machen. Ich wusste, was sie tun wurden, aber man bekommt immer noch einer Ahnung vom Spektakel."
In Rage gerat et, wenn andere Leute sich sein Werk aneignen "Da rief mich diese Person Meredith Brooks an und sagt (dabei karikiert er deren Akzent) Ich wollte Jhnen nur safìgen, ich habe Ihr Foto gesehen, und das hat mich derart inspiriert dass ich mein ganzes Video darum herum konzipiert habe" Was zum Teufel soll das? Das ist mein Bild. Warum hat man nicht angefragt, um Regie zu fuhren?"
"Wenn es um Text geht, spricht man sehr schnell von Plagiat "klagt er "beim Bild glauben alle, dass es kein Plagiat gebe. Es gibt Plagiate. Die Leute in Los Angeles glauben, sie konnten die Magazine durchblättern und das Zeug kopieren. Die tun mir leid. Aber ich bin nicht verbittert, ich habe meinen Erfolg".
Und ob LaChapelle Erfolg hat, 1995 wurde er sowohl vom French-Photo-Magazin als auch vom American-Photo-Magazin zum besten neuen Fotografen des Jahres gewählt . 1996 zeichnete ihn das International Center of Photograph mit dem Award für angewandte Fotografie aus. In diesem erhielt er vom Magazin Life zwei Auszeichnungen. Wo kann er noch neue Welten erobern? LaChapelle sammelt Bilder für einen Nachfolgeband für LaChapelle Land (das letztes Jahr vom Art Direktor Club
für das beste Buchdesign ausgezeichnet wurde). Publiziert werden die Bucher von Callaway Editions and Simon & Shuster. Sie enthalten eine erstaunliche Sammlung der Lieblingsbilder des Fotografen. Die Bucher sind Werke des Liebe. Alle Einnahmen LaChapelle fliessen wohltätigen Zwecken zu, darunter einer Organisation , die Aids-Kranke mit warmen Mahlzeiten versorgt.
Er hat auch seinen ersten Spielfilm geschrieben, den er diesen Herbst abzudrehen hofft. Das ist für einen Fotografen mit seiner visuellen Kraft gar so grosser Schritt.
"Meine Bilder schreien danach, eine danach, eine Geschichte zu erzahlen - sie sind voll von Geschichten" behauptet er "ich will keinen Film machen, der nur aus bombastischen Bildern bestacht. Dafür gibt es Musik videos" Im Donald Ward-Film "The Suburbans" wird er überdies sein Debut als Schauspieler geben. LaChapelle spielt einen Regisseur, der einer Band aus den achtziger Jahren zum Comeback verhelfen will. Ward suchte nach jemandem , der einen Videoregisseur spielen kann, und ihr gemeinsamer Verleger brachte sie zusammen. Trotz solcher Aufmerksamkeit erregender Projekte besteht LaChapelle darauf, dass er keine Beruhtheit werden will "Ich bin wie ein Lieferant. Ich tue nur meinen Job". Er betont auch, dass seine wahre Leidenschaft immer noch die redaktionelle Arbeit sei und die Werbung "Das ist meine Fotokunst. Ich liebe die Werbung. Daran glaube ich. Ich habe keine Mappe mit Bildern , die mein persöniches Werk sind - etwa Schwarzweiss- Aufnahmen von den Händen alter Menschen".